Karlspreis 2024 geht an Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa

Der Karlspreis 2024 geht an Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa

  • Das Karlspreis-Direktorium würdigt mit der Preisverleihung einen „herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums und das jüdische Leben in Europa, das unseren Kontinent seit Jahrhunderten bereichert und hier immer seinen Platz haben wird und haben muss.“
  • Mit der Karlspreisverleihung unterstütze man Pinchas Goldschmidt in der festen Überzeugung, dass heute mehr denn je Dialog notwendig sei, „um sicherzugehen, dass dieses Jahrhundert nicht wie das letzte in Blutvergießen und Krieg, in Verzweiflung und Hass gipfelt“.
  • Die Verleihung des Karlspreises wird am Himmelfahrtstag, 9. Mai 2024, wie gewohnt im Krönungssaal des Aachener Rathauses stattfinden.

(v.l.n.r.) Die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, gaben bekannt, dass Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der europäischen Rabbiner (CER), und mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, im Jahr 2024 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet werden. Copyright © Stadt Aachen /Sarah Koll

20.1.2024: Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der europäischen Rabbiner (CER), und mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, werden im Jahr 2024 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Das gaben der Vorsitzende des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, Dr. Jürgen Linden, und die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen am heutigen Tag (19. Januar 2024) in Aachen bekannt.

„Mit der aktuellen Verleihung will der Karlspreis ein starkes Signal gegen den grassierenden und gefährlichen Antisemitismus setzen und gleichzeitig bekräftigen, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Europa gehört und in Europa kein Platz für Antisemitismus sein darf,“ eröffnete Dr. Jürgen Linden. „Gleichzeitig“, betonte Dr. Linden, wolle man sich nicht im derzeitigen Nahost-Konflikt positionieren. Man unterstütze dagegen Pinchas Goldschmidt in der festen Überzeugung, dass heute mehr denn je Dialog notwendig sei, „um sicherzugehen, dass dieses Jahrhundert nicht wie das letzte in Blutvergießen und Krieg, in Verzweiflung und Hass gipfelt“.

In der Begründung des Karlspreisdirektoriums heißt es ergänzend, dass Pinchas Goldschmidt den Preis „in Würdigung seines herausragenden Wirkens für den Frieden, die Selbstbestimmung der Völker und die europäischen Werte, für Toleranz, Pluralismus und Verständigung, und in Anerkennung seines bedeutenden Engagements für den interreligiösen und interkulturellen Dialog“ erhalte.

Brückenbauer zwischen Menschen und Religionen

Auch Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen unterstrich die starke Signalwirkung der aktuellen Karlspreisträger-Wahl. Sie erklärte: „Pinchas Goldschmidt ist ein Mann, der mit ganzem Herzen auf den Dialog setzt. Er ist ein Brückenbauer zwischen Menschen und Religionen über alle Grenzen hinweg, dessen hoher Anspruch und Überzeugung ist, „Europa und die Welt wieder zu einem besseren Ort zu machen, zu einem sicheren Ort.“ Und weiter: „In einer Zeit, in der so viel Hass, Hetze und auch Alltagsrassismus herrschen, müssen wir auf den Dialog setzen. Pinchas Goldschmidt ist ein Mensch, der mitreißt, und ich bin zuversichtlich, dass wir mit ihm die Menschen hier in Aachen erreichen und eine Friedensbotschaft senden können“.

Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner

Pinchas Goldschmidt wurde 1963 in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Zürich geboren. Er studierte rabbinische Studien im israelischen Bnei Berak, in Chicago, Baltimore und Jerusalem. 1987 erhielt er die formelle Einsetzung als Rabbiner. 1989 übersiedelte er in die damalige Sowjetunion und wurde 1993 zum Oberrabbiner von Moskau gewählt. Er verließ Moskau 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, nachdem er sich dem Druck, den Krieg zu unterstützen widersetzt und die in Russland lebenden Juden zur Flucht aus dem Land aufgerufen hatte. Bereits im Juli 2011 wurde Goldschmidt zum Präsidenten der Konferenz der Europäischen Rabbiner gewählt.

Das Direktorium hebt durch die Verleihung des Karlspreises 2024 an Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt hervor, „dass alle Menschen das Recht haben, in sicheren Grenzen und einer freien, friedlichen und demokratischen Gesellschaft zu leben“. Goldschmidt bringe, so das Karlspreisdirektorium, „deutlich zum Ausdruck, dass Menschen unterschiedlichster religiöser und kultureller Herkunft in Europa ihren Platz finden müssen; dass der interkulturelle Dialog mehr denn je zu den großen Herausforderungen unserer Zeit zählt; dass aber beim Eintritt in diesen Dialog die europäischen Werte nicht verhandelbar sind und das von Demokratie, Freiheit und Recht geprägte europäische Lebensmodell nicht zur Disposition steht“.

Herausragender Repräsentant des europäischen Judentums

In der Begründung ist final zu lesen: „Mit dem Präsidenten der Konferenz der europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, und den jüdischen Gemeinschaften in Europa würdigt das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen im Jahr 2024 einen herausragenden Repräsentanten des europäischen Judentums und das jüdische Leben in Europa, das unseren Kontinent seit Jahrhunderten bereichert und hier immer seinen Platz haben wird und haben muss.“

Karlspreisverleihung am 9. Mai

Der Karlspreis wird in diesem Jahr wieder traditionell am Himmelfahrtstag, 9. Mai, verliehen. Oberbürgermeisterin Keupen kündigte an, den Verleihungstag neben der offiziellen Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit einem Friedensfest und Fest des Dialogs zu feiern und dabei die Aachener Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt einbeziehen zu wollen. Ausdrücklich und herzlich seien Menschen aller Glaubensrichtungen dazu eingeladen.

Infos zum Karlspreis

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, und gemeinsam mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, ist Träger des 65. Internationalen Karlspreises zu Aachen. Im Jahr 2023 wurden der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sowie im Jahr 2022 die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo mit dem Preis ausgezeichnet.

Internationaler Karlspreis zu Aachen

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011) oder Martin Schulz (2015), damals Präsident des Europäischen Parlaments. 2016 ging der Karlspreis an Papst Franziskus, im Jahr 2018 folgte der Staatspräsident Emmanuel Macron. Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis, der in Rom verliehen wurde.

Urkunde und Medaille

Verliehen wird neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt.

Konferenz Europäischer Rabbiner

Die Konferenz Europäischer Rabbiner (CER) wurde 1956 in Großbritannien gegründet. Sie vertritt rund 1.000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner, die Gemeinden von Dublin bis Wladiwostok leiten. Von ihrem heutigen Sitz in München aus setzt sich die CER für die religiösen Rechte der Juden in Europa ein. Darüber hinaus fördert sie die Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog, um der zunehmenden Radikalisierung in Politik und Gesellschaft entgegenzuwirken, Antisemitismus und religiös motivierten Extremismus besser zu bekämpfen und die Sicherheit der Religionsgemeinschaften in Europa zu erhöhen. Präsident der CER ist seit 2011 der im Exil lebende ehemalige Moskauer Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt. (www.rabbiscer.org.)

Begründung

Begründung des Karlspreisdirektoriums zu dem designierten Preisträger.


Für den Frieden in Europa: Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden mit dem Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet

  • Das Karlspreis-Direktorium und die Stadt Aachen ehren Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk „für die Zuversicht, das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil der europäischen Völkerfamilie ist“.
  • Selenskyj bekräftigte in seiner Rede seine Forderung nach einem Beitritt seines Landes zur EU und zur Nato. „Die EU wird nicht vollständig sein ohne die Ukraine.“
  • Bundeskanzler Scholz dankte dem ukrainischen Präsidenten und seinem Volk für die Verteidigung gemeinsamer europäischer Werte.

14.5.2023: Es ist der Höhepunkt einer geschichtsträchtigen Preisverleihung: Der ukrainische PräsidentWolodymyr Selenskyj betritt die Bühne am Aachener Katschhof. Spontan und ungeplant, vor allem aber sehr emotional begrüßt er die Schaulustigen, eingerahmt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Olaf Scholz, dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. „Es lebe die Ukraine“, ruft Selenskyj in die Menge, Hunderte bejubeln den Präsidenten, der gemeinsam mit dem ukrainischen Volk am heutigen Sonntag, 14. Mai, mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden ist.

Die Stimmung im Krönungssaal war bis zum Beginn der Preisverleihung angespannt: Rund 700 Gäste warteten im Aachener Rathaus auf die Ankunft des Ehrengastes, bis Wolodymyr Selenskyj schließlich an der Seite von Olaf Scholz den Raum betrat, empfangen von stehenden Ovationen und lautem Beifall. Immer wieder wird es in der kommenden Stunde zu anhaltendem Applaus kommen. Er ist, wie die Auszeichnung selbst, ein Symbol der uneingeschränkten Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern. Er ist Anerkennung und Unterstützung für das ukrainische Volk, das für seine und die Freiheit in ganz Europa kämpft und darüber hinaus eine Ermutigung für alle Menschen, ein friedliches und gemeinsames Europa zu bauen und zu leben.

Selenskyj: „Wir alle sind Stifter des Friedens!“

Als Wolodymyr Selenskyj während der Preisverleihung im Krönungssaal ans Rednerpult trat, war der Jubel vom Katschhof bis in den Saal zu hören. Selenskyj zeigte sich berührt und trat während seiner Rede kämpferisch und siegessicher auf: „Wir alle sind Stifter des Friedens, und dies ist unsere wichtigste Pflicht gegenüber unseren Ländern, unserem Europa und der Geschichte. (…) Und wir müssen zu Gewinnern werden, damit unsere Lebensauffassung in Europa bleibt. Unser friedliches, wertebasiertes, legales, demokratisches und nicht räuberisches Lebenskonzept.“ Immer wieder suchte Selenskyj den Blickkontakt zu den Ehrengästen auf dem Podium und betont seine Dankbarkeit gegenüber Deutschland und der EU. „Die Ukraine bietet Ihnen einen Sieg an, der sich in Frieden verwandeln wird. Einen Sieg, der allen europäischen Völkern – nicht nur uns – Ruhe und Vertrauen in den Frieden für Jahrzehnte bringen wird.“ Einen großen Teil seiner Rede hielt Selenskyj auf Ukrainisch. Dass er und das ukrainische Volk mit dem Karlspreis ausgezeichnet werden, ehre ihn. „Alle Ukrainer sind Helden. Alle Ukrainer müssten heute in diesem Saal stehen.“ Sie alle würden einem Aggressor gegenüberstehen, „der zu jeder Grausamkeit und Gemeinheit fähig ist. Aber wir haben keine Angst.“ Und weiter: „Wir sehen das Übel der Aggression aus nächster Nähe, also sehen wir auch den besten Weg, dieses Übel zu besiegen. Und wir laden die Welt ein, sich unseren gerechten und fairen Prinzipien des Friedens anzuschließen. Jeder, der sich unserer Friedensformel anschließt, macht sie sich tatsächlich zu eigen. Ich bin zuversichtlich, dass die ukrainische Friedensformel zur deutschen Friedensformel, zur europäischen Friedensformel, zur Weltfriedensformel werden kann.“

Bundeskanzler Scholz: „Die Ukraine ist Teil unserer europäischen Familie.“

Die Entscheidung des Karlspreisdirektoriums, Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk mit dem Internationalen Karlspreis auszuzeichnen, hob Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Rede lobend hervor. Mehrfach wandte er sich dann direkt an den ukrainischen Präsidenten: „Wir stehen zusammen. Wir gehören zusammen. Und unsere Geschichte wird zusammen weitergehen.“ Denn: „Die Ukraine ist Teil unserer europäischen Familie. Auf dem Weg in die europäische Union habt ihr unsere volle Unterstützung.“ Scholz sagte weiter: „Falls Wladimir Putin geglaubt hat, er könnte die ukrainische Nation mit Gewalt von ihrem Weg nach Europa abbringen, dann hat er mit all seinen Panzern, seinen Drohnen und Raketenwerfern nichts als das Gegenteil bewirkt.“ Denn: „Die Europäische Union steht für Freiheit und Demokratie, für den Rechtsstaat und den Schutz der Menschenrechte. Das macht uns Europäerinnen und Europäer aus. Deshalb haben wir jeden Tag darauf zu achten, dass wir die Werte von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auch innerhalb der EU schützen und bewahren. Dieses Streben nach Demokratie, nach Freiheit und Rechtsstaatlichkeit und nach Europa teilt auch das ukrainische Volk.“ Daher markiere die Karlspreisverleihung einen neuen Auftakt für das weitere Zusammenwachsen in Europa, gemeinsam mit der Ukraine. „Angesichts der Zeitenwende, die Russland mit seinem Angriffskrieg verursacht hat, ist unsere Botschaft klar: Europa steht geschlossen und geeint.“ Nach der Rede bedankte sich Selenskyj bei Scholz, ein Händeschütteln, ein kurzes Lächeln.

Dr. Ursula von der Leyen: „Kampf für Freiheit, Menschlichkeit und Frieden.“

Es herrschte eine spürbare Herzlichkeit zwischen den Ehrengästen auf dem Podium. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fand in ihrer Laudatio immer wieder persönliche Worte für den Präsidenten: Sie erinnerte an ihren Besuch in Butscha, der sie nachhaltig geprägt habe: „Ich werde niemals das Bild der unzähligen Kerzen vergessen: jede einzelne stand für einen Vater oder eine Mutter, einen Sohn oder eine Tochter, einen Bruder oder eine Schwester, ein Leben, das sinnlos ausgelöscht worden war.“ Und: „Als ich an diesem Tag in Kiew in seine [Selenskys] Augen blickte, war ich zutiefst berührt von der unerschütterlichen Standhaftigkeit, die er ausstrahlte.“ Dennoch könnten ihre Worte nicht annähernd der Situation in der Ukraine gerecht werden. „Der Preisträger und die Menschen seines Landes kämpfen buchstäblich für Freiheit, Menschlichkeit und Frieden. Sie sichern mit ihrem Blut und ihrem Leben die Zukunft ihrer Kinder. Und auch unserer eigenen. Präsident Selenskyj und die Menschen der Ukraine wissen genau, wofür sie kämpfen. Und sie haben verstanden, was unser Europa und unsere Union ausmachen.“ Denn: „Für jede Generation kommt der Moment, an dem sie für die Demokratie und das, woran sie glaubt, aufstehen muss. Für uns ist dieser Moment jetzt gekommen. Und so wie die mutigen Männer und Frauen, die für ihre Freiheit kämpften, das Gesicht Europas vor mehr als 30 Jahren verändert haben, so entscheiden heute unsere Handlungen darüber, welches Gesicht unser Europa in der Zukunft haben wird.“ Die Idee eines geeinten Europas möglich machen – das sei die Aufgabe der Europäerinnen und Europäer. Mit der Karlspreisverleihung sende man eine klare Botschaft: „Wir stehen an Präsident Selenskyjs Seite. Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine.“ Nach ihrer Rede umarmte von der Leyen den Preisträger herzlich.

Ministerpräsident Morawiecki: „Wir müssen die Werte der EU verteidigen!“

Es ist eine starke und unmissverständliche Botschaft, die an diesem Tag aus Aachen in die Welt gesendet wird. Eine der Einigkeit und der uneingeschränkten Solidarität, für die sich auch der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki klar positionierte: „Krieg ist der Kampf des Guten gegen das Böse. Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sind die Guten.“ Und: „Die Ukraine verteidigt unsere Freiheit an ihren Grenzen.“ Morawiecki sagte weiter: Europa ist nur vollständig, wenn die Ukraine beitritt. Und solange in der Ukraine Menschen sterben, blutet das Herz Europas. Nur mit unserer vollen Unterstützung können wir den Frieden in Europa sichern.“

Sibylle Keupen: „Gemeinsam für Europa eintreten“

Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk als gemeinsame Preisträger mit dem Karlspreis zu Aachen auszuzeichnen, war für das Karlspreisdirektorium eine bewusste Entscheidung. Schließlich, so betonte Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, bleibe es „unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die dieser Krieg ganz direkt betrifft, nicht vergessen werden. Es ist unsere Pflicht, uns ständig ins Bewusstsein zu rufen, dass in unserem Europa gerade einem ganzen Volk ein Leben in Frieden und Freiheit verwehrt wird. Einer ganzen Generation werden ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Perspektiven und Träume genommen.“ Keupen nahm ihre Rede zum Anlass, um Menschen in der Ukraine und in Aachen in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Anna Kysil und Julia Piech beispielsweise, die seit Jahren in Deutschland leben, und gemeinsam mit anderen engagierten Bürger*innen den Verein „Ukrainer in Aachen“ gegründet haben. „Der Verein hat mit dazu beigetragen, dass unsere Stadt von Beginn an einsicherer Hafen für Kriegsgeflüchtete wurde.“ Ein Hafen für Menschen wie Yuliia Hryniova, die mit ihren drei Kindern und ihrem Mann als eine der ersten ukrainischen Flüchtlingsfamilien nach Aachen kam. Sibylle Keupen skizzierte beispielhaft die Flucht einer Familie, die die Ukraine nicht aufgegeben hat, sondern in ihre Heimat zurückkehren will. Einer Familie, die davon träumt, in Zukunft in ihrer Heimat in Freiheit leben zu können. Dass es die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts gibt, sei nicht möglich ohne Wolodymyr Selenskyj: „So wie Sie, Präsident Selenskyj, ‚ihr‘ Volk zusammenhalten und ihm in der größten Krise Kraft und Zuversicht geben, so zeigen Sie uns mit Ihrer Persönlichkeit und Ihrer Entschlossenheit nicht nur, wie wir gemeinsam für Europa und Freiheit eintreten können, sondern so geben Sie auch uns Zuversicht, dass Sie mit uns gemeinsam auf dieselbe Weise einen Weg finden werden, dem ukrainischen Volk eine friedliche und demokratische Zukunft zu geben.“

Begründung des Karlspreisdirektoriums

Das Direktorium begründet die Wahl der Preisträger unter anderem wie folgt: „Das ukrainische Volk verteidigt unter der Führung seines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger, sondern auch Europa und die europäischen Werte.“ Und: „Er [Wolodymyr Selenskyj] ist Halt und auch Vorbild für sein Volk; er steht gegen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, für die Sicherstellung des alltäglich Notwendigen, (…) und für die Zuversicht, das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil der europäischen Völkerfamilie ist. Selenskyj gibt der Ukraine, er gibt aber auch der Europäischen Union Kraft, an dieses Ideal zu glauben. Er ist insoweit auch Vorbild für alle Europäerinnen und Europäer, sich auf die europäischen Ideale und Werte zu besinnen.“ In seiner Begründung betont das Karlspreisdirektorium außerdem: „Das ukrainische Volk verdient größte Anerkennung dafür, wie es Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung verteidigt.“ Auch lasse Selenskyj „keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass sein Land die westlichen Werte verteidigt, unverbrüchliche Prinzipien des Zusammenlebens, des Friedens und der Freiheit und damit das, wofür die Europäische Union politisch steht. (…) Das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises unterstreicht durch die Verleihung des Karlspreises 2023, dass die Ukraine Teil Europas ist und die Bevölkerung und ihre Regierungsvertreter, an der Spitze Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Werte vertreten und verteidigen und deshalb die Ermutigung verdienen, rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen.“

„Spüren Sie die Freiheit! Wir kämpfen für sie!“

Einig und selbstbewusst sowie emotional zeigen sich die Ehrengäste und Redner*innen an diesem geschichtsträchtigen Tag in Aachen. Sie alle stehen für ein vereintes, friedliches Europa. Dass es nicht selbstverständlich ist, zeigen die Bilder aus der Ukraine jeden Tag. Und kaum einer kann es besser wissen, als Wolodymyr Selenskyj: „Bitte, hier in Aachen oder in jeder anderen Stadt unseres schönen freien Europas – gehen Sie nach draußen, schauen Sie sich um und spüren Sie das Wichtigste, was wir wollen, das, was uns allen Frieden und Respekt in Europa gibt: Spüren Sie die Freiheit! Sie ist einfach da. Wir kämpfen für sie.“

Zitate und Fakten in Kürze:

  • Die Preisträger: Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sind am heutigen Sonntag, 14. Mai, mit dem „Internationalen Karlspreis zu Aachen“ ausgezeichnet worden. Selenskyj nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen. „Wir alle sind Stifter des Friedens, und dies ist unsere wichtigste Pflicht gegenüber unseren Ländern, unserem Europa und der Geschichte.“ Das Karlspreisdirektorium mit seinem Vorsitzenden Dr. Jürgen Linden hebt in seiner Begründung besonders den unerschütterlichen Freiheitskampf der Ukraine hervor, mit dem das ukrainische Volk mit seinem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auch die westlichen Werte, Prinzipien des Friedens und der Freiheit und damit das, wofür die Europäische Union politisch steht, verteidige.
  • Selenskyj’s Botschaft: „Es ist nun an der Zeit, diese Stärke unserer Einheit mit der Entscheidung für den Beitritt zur Europäischen Union zu dokumentieren. Sie wissen, dass Europa ohne die Ukraine in der Europäischen Union nicht vollständig sein wird.“
  • Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen:„Wegen Ihres Mutes und ihrer Widerstandskraft, Ihrer Opfer und Ihrer Werte, kann ich mir keinen würdigeren Träger dieses Karlspreises vorstellen als Präsident Selenskyj und die Menschen der Ukraine. Präsident Selenskyj und die Menschen der Ukraine kämpfen genau für die Werte und die Verpflichtung, die dieser Preis verkörpert. Und damit kämpfen sie zugleich für unsere Freiheit und unsere Werte. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und die Freiheit, sein eigenes Schicksal zu gestalten. Dafür kämpft die Ukraine.“
  • Bundeskanzler Olaf Scholz: „Wir stehen zusammen. Wir gehören zusammen. Und unsere Geschichte wird zusammen weitergehen.“ Und: „Die Ukraine ist Teil unserer europäischen Familie. Auf dem Weg in die europäische Union habt ihr unsere volle Unterstützung.“
  • Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen: „Es ist unsere Pflicht, uns ständig ins Bewusstsein zu rufen, dass in unserem Europa gerade einem ganzen Volk ein Leben in Frieden und Freiheit verwehrt wird. Einer ganzen Generation werden ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Perspektiven und Träume genommen. Deshalb sollten wir uns besonders heute vor Augen führen, dass hinter jeder der Schreckensmeldungen einzelne Schicksale stehen.“
  • Die Verleihung: Rund 700 Personen, darunter zahlreiche Ehrengäste, Mandatsträgerinnen, Botschafterinnen sowie Vertreterinnen von Kirchen und Religionsgemeinschaften, haben an den Feierlichkeiten im Krönungssaal des Aachener Rathauses teilgenommen. Auf dem Ehrenpodium saßen neben dem Karlspreisträger Wolodymyr Selenskyj Bundeskanzler Olaf Scholz, die Präsidentin der Europäischen Kommission Dr. Ursula von der Leyen, EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen Sibylle Keupen, der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden, Vertreterinnen der diesjährigen Jugendkarlspreisgewinner, die früheren Karlspreisträgerinnen Dahlia Grybauskaite (2013) und Martin Schulz (2015) sowie die Preisträgerinnen des vergangenen Jahres Veronica, Tsepkalo, Swetlana Tichanowskaja und – in Vertretung ihrer inhaftierten Schwester Maria Kalesnikava – Tatsiana Khomich. · Weitere Gäste: Auch weitere frühere Karlspreisträgerinnen waren unter den Gästen im Krönungssaal, darunter Felipe Gonzáles Marquez (1993). Ebenfalls im Publikum saß die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matviychuk. Zur politischen Prominenz gehörten neben Staatsministerin Claudia Roth und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth auch Armin Laschet (Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates), NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und NRW-Umweltminister Oliver Krischer.
  • Das Programm: Die Karlspreisverleihung wurde musikalisch vom Sinfonieorchester Aachen unter Leitung des Generalmusikdirektors Christopher Ward begleitet. Als Sopran trat Anastasiia Povazhna auf. Anna Kysil trug das Gedicht „Ich werde Deine Augen sein“ des ukrainischen Schriftstellers Serhij Zhadan vor.
  • Das mediale Interesse: Mehr als 130 Medienvertreter*innen haben sich für die Karlspreisverleihung 2023 akkreditiert, um darüber zu berichten, darunter Teams von ARD und ZDF, WDR, BRF und Deutscher Welle sowie in- und ausländische Wort- und Bild-Agenturen. Die Live-TV-Übertragung wurde im WDR Fernsehen und im Livestream gesendet.

Infos zum Karlspreis:

Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und das ukrainische Volk
sind die 64. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Sie folgen auf die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo, die 2022 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden sind. Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgerinnen in Aachen gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011), die ehemalige Präsidentin der Republik Litauen, Dalia Grybauskaitė (2013), der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (2015), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018), António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (2019), und der rumänische Präsident Klaus Iohannis (2020/21). Im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses wird neben einer Urkunde auch eine Medaille verliehen, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für die jeweiligen Preisträgerinnen zeigt.

Weitere Infos:
www.aachen.de/karlspreis
www.karlspreis.de


Neue Uhrzeit: Die Karlspreisverleihung am 14. Mai 2023 beginnt um 15.30 Uhr

12.5.2023: Anders als bisher verkündet, startet die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und an das ukrainische Volk am Sonntag, 14. Mai, nicht um 15 Uhr, sondern eine halbe Stunde später, um 15.30 Uhr.

Auch die Anfangszeit des Pontifikalamts im Aachener Dom verschiebt sich nach hinten. Es beginnt nach neuem Zeitplan um 12.30 Uhr.

Der Livestream des WDR ist an diesem Tag ab 15.30 Uhr zugänglich, nicht nur online, sondern auch auf einer Video-Großleinwand auf dem Katschhof und im Elisenbrunnen. Der Katschhof ist für Besucher*innen ab 14.45 Uhr ausschließlich über einen Eingang an der Krämerstraße zugänglich. Dort werden vor dem Einlass die Taschen kontrolliert. Diese dürfen maximal DinA4-Größe haben.


Karlspreisverleihung im Zeichen des Krieges in der Ukraine. Am Ende der Festlichkeiten lädt eine Manifestation auf den Katschhof ein

  • Aktuell werden verschiedene Szenarien der Preisverleihung geplant. Sowohl das Programm als auch die Sicherheitsmaßnahmen können sich abhängig von der Teilnahme von Wolodymyr Selenskyj jederzeit noch kurzzeitig ändern.
  • Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, die Präsidentin des Europäischen Parlaments Ursula von der Leyen sowie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki halten im Krönungssaal Ansprachen mit einer Würdigung des Preisträgers.
  • Beim Karlspreis LIVE auf dem Katschhof unterschreibt Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen gemeinsam mit Vertretern der ukrainischen Stadt Chernihiv auf der Bühne am Katschhof einen Vertrag zur Solidaritätspartnerschaft zwischen beiden Städten.

9.5.2023: Nur wenige Tage vor der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk haben heute Nachmittag (8. Mai) Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und Dr. Jürgen Linden als Vorsitzender des Karlpreisdirektoriums gemeinsam mit dem Aachener Polizeipräsidenten Dirk Weinspach und dem Leitenden Polizeidirektor Wilhelm Sauer Einzelheiten bekannt gegeben. Demnach werden am Sonntag, 14. Mai, rund 700 Personen an den Feierlichkeiten im Krönungssaal teilnehmen. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, die Präsidentin des Europäischen Parlaments Ursula von der Leyen sowie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki halten Ansprachen mit einer Würdigung des Preisträgers.

Anders als in vergangenen Jahren findet die Karlspreisverleihung in diesem Jahr nicht am Himmelfahrtstag, 18. Mai, sondern am Sonntag, 14. Mai, statt. Um 12 Uhr wird im Dom das feierliche Pontifikalamt zelebriert, um 15 Uhr beginnt die Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Auf alle Szenarien vorbereitet

Das Karlspreisdirektorium unterstreicht mit der Verleihung des Karlspreises 2023, dass „die Ukraine Teil Europas ist und die Bevölkerung und ihre Regierungsvertreter, an der Spitze Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Werte vertreten und verteidigen und deshalb die Ermutigung verdienen, rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen“. Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden betonte im Pressegespräch, dass man sich nach wie vor auf verschiedene Szenarien vorbereite – mit einer persönlichen oder per Video zugeschalteten Teilnahme von Wolodymyr Selenkskyi an der Preisverleihung oder ohne seine Teilnahme, aber mit einer ranghohen ukrainischen Vertretung seiner Person. Daher könnten sich sowohl das Programm als auch die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen jederzeit kurzfristig ändern. Klar sei nur die Botschaft des Karlspreises: „Europa steht hinter der Ukraine“.

Viele Ehrengäste haben ihr Kommen zugesagt

Unter den Gästen der Karlspreisverleihung befinden sich unter anderem der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, die Präsidentin des Europäischen Parlaments Ursula von der Leyen sowie der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, die Ansprachen mit einer Würdigung des Preisträgers halten.
Zugesagt haben ebenfalls die ehemaligen Karlspreisträgerinnen Felipe Gonzáles Marquez (1993), Jean-Claude Trichet (2011), Dahlia Grybauskaite (2013), Martin Schulz (2015) sowie die Preisträgerinnen des vergangenen Jahres Veronica, Tsepkalo, Swetlana Tichanowskaja und – in Vertretung ihrer inhaftierten Schwester Maria Kalesnikava – Tatsiana Khomich. Auch die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matviichuk ist zu Gast im Krönungssaal. Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments, und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas haben ebenfalls ihr Kommen zugesagt. Erwartet werden ebenfalls NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sowie zahlreiche Ministerinnen seines Kabinetts. Neben vielen weiteren Ehrengästen haben zudem 14 Botschafter und zahlreiche Mandatsträger, Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Partnerstädte Aachens ihr Kommen zugesagt.

Verleihung des Europäischen Karlspreises für die Jugend

Am Freitag vor der Karlspreisverleihung, 12. Mai, wird der Europäische Karlspreis für die Jugend verliehen. An dem hierzu ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich wieder Hunderte junger Menschen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit sehr unterschiedlichen und vielfältigen Projekten beworben, die zur europäischen Verständigung beitragen, die Entwicklung einer gemeinsamen Identität fördern und beispielgebend für das gelebte Europa sind. „In diesem Jahr haben Jugendliche aus Europa insgesamt über 340 Projekte angemeldet. Ich habe die tolle Stimmung vom letzten Jahr noch in bester Erinnerung und freue mich auf diese lebendigen, begeisterten und begeisternden jungen Menschen, die Europa bereichern und die es so dringend braucht“, sagte Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. Die Repräsentant*innen der nationalen Gewinnerprojekte aus 27 Mitgliedstaaten werden traditionell zu einem viertägigen Aufenthalt nach Aachen eingeladen. Die Verleihung des Jugendkarlspreises wird live in Deutsch und Englisch auf www.karlspreis.de gestreamt.

Karlspreis-Europa-Forum

Am Samstag, 13. Mai, findet traditionell das Karlspreis-Europa-Forum statt – auch anno 2023 im „Das Liebig“; diesmal unter dem Motto „Europa im Umbruch“. Im unmittelbaren Vorfeld der Karlspreisverleihung finden sich hier europäische Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Gesellschaft zu einer Perspektivkonferenz zusammen und diskutieren über die epochalen Herausforderungen, mit denen die EU konfrontiert ist – unter anderem Fragen der Energiesicherheit und der europäischen Sicherheitsarchitektur. Auch diese Veranstaltung wird live in Deutsch und Englisch auf www.karlspreis.de gestreamt.

Karlpreis LIVE auf dem Katschhof

Das kulturelle Programm von Karlspreis LIVE auf dem Katschhof startet am Samstag, 13. Mai um 16.30 Uhr. Dann spielen dort die Brüder Ihor und Denys Pankiv, zwei jungen ukrainische Akkordeonisten aus Liv/Lemberg, die bereits im Europaparlament in Straßburg und beim Jugendkarlspreis 2022 aufgetreten sind. Die ukrainische Solistin Olha Hryhoryk ist ab 17.30 Uhr auf dem Katschhof zu hören. Sie möchte mit ihrer Musik Deutschland die ukrainische Kultur näherbringen – und Hoffnung auf Frieden und eine bessere Zukunft geben. Der weit über die Grenzen der Ukraine hinaus bekannte Trompeter Andriy Ilkiv gastiert mit dem von ihm 1999 gegründeten Blechbläserquintett Kyiv-Bras ab 18.20 Uhr auf dem Katschhof. Um 18.50 Uhr unterschreibt Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen gemeinsam mit Vertretern der ukrainischen Stadt Chernihiv auf der Bühne am Katschhof einen Vertrag zur Solidaritätspartnerschaft zwischen beiden Städten.

Auf dem Katschhof sind gegen 19.10 Uhr auch die diesjährigen Jugendkarlspreisträger*innen zu Gast. Auf der dortigen Bühne begegnen sie wichtigen Ehrengästen der Karlspreisverleihung 2023, die sich den Fragen des Chefredakteurs der Aachener Zeitung Thomas Thelen stellen. Um 20.15 Uhr wird es bis 22 Uhr mal rockig, mal funky mit Soul- und Jazzelementen, wenn dort die Band DC Seven auftritt.

Manifestation „Karlspreis für den Frieden“

Am Sonntag, 14. Mai, wird ab 15 Uhr die TV-Übertragung des Festaktes im Krönungssaal des Aachener Rathauses auf einer Video-Großleinwand auf den Katschhof und in den Elisengarten übertragen. Im Anschluss an die Verleihung singt Marlaine Maas auf dem Katschhof ihre Version des ukrainischen Liedes „Oy U Luzi Chervona Kalyna“, mit der sie über die sozialen Medien bereits Millionen von Menschen erreicht und berührt hat. Nach Ende der Verleihungszeremonie empfangen Dr. Jürgen Linden und Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen Karlspreisträgerinnen sowie Staats- und Ehrengäste auf der Bühne am Katschhof, mit denen gemeinsam sie ein Zeichen des Friedens setzen wollen. Zum Ausklang gibt es eine musikalische Verabschiedung durch Marlaine Maas. Der für den Katschhof angekündigte Auftritt von Tamara Lukasheva und ihrem Quartett ist auf 20 Uhr verschoben und findet im Büchel-Museum statt. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Katschhof ist für Besucherinnen ab 14.15 Uhr ausschließlich über einen Eingang an der Ritter-Chorus-Straße zugänglich. Dort werden vor dem Einlass die Taschen kontrolliert.

Das Medieninteresse ist extrem groß

Das Medieninteresse an der diesjährigen Verleihung ist extrem groß. Eine knappe Woche vor der Karlspreisverleihung verzeichnet der städtische Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing bereits über 130 Akkreditierungsanfragen – darunter Teams von ARD und ZDF, Deutsche Welle, der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, der ZEIT sowie verschiedener in- und ausländischer Fernsehredaktionen, Wort- und Bild-Agenturen, darunter auch die New York Times. Die Karlspreis-Verleihung wird am Sonntag, 14. Mai, live im WDR-Fernsehen von 15 bis 16.30 Uhr ausgestrahlt.

Fahrzeugflotte

Seit vielen Jahren stellt die Mercedes-Benz Niederlassung Aachen einen Teil der Fahrzeugflotte für die Ehrengäste der Karlspreisverleihung. Aktuell besteht die Flotte aus Elektro- und Hybridfahrzeugen verschiedener Baureihen, die rund um die Preisverleihung im Einsatz sind, sagte im Vorfeld der Verleihung Matthias Hindemith, Vertriebsdirektor Pkw Rheinland bei Mercedes-Benz.

Kulinarische Köstlichkeiten

Die Gäste beim Vorabend-Dinner in der Aula Carolina können sich wieder auf kulinarische Köstlichkeiten freuen. Die Küchenkünstler von DORN – Catering und Events verwöhnen die Gäste mit Flusskrebsen und Avocado, Medaillons vom Limburger Klosterschwein und Heinsberger Erdbeeren auf Vanillecreme sowie einer vegetarischen Variante des Menus. Das Abendessen wird musikalisch begleitet von Dmytro Udovychenko (Violine), ukrainischer Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben.

Zugänglichkeit der Innenstadt ist eingeschränkt

Aufgrund der langen Liste schutzwürdiger Personen und des großen Polizeieinsatzes rund um die Verleihung des Karlspreises wird es vom 12. bis zum 14. Mai im gesamten Stadtgebiet und insbesondere in der Innenstadt zu verschiedenen temporären Straßensperrungen kommen. Ebenso werden zeitig entsprechende Halteverbotszonen eingerichtet. Polizeipräsident Dirk Weinspach sagte dazu: „Die Polizei Aachen gewährleistet auch in diesem Jahr die Sicherheit der Karlspreisverleihung. Wir sind auf diesen groß angelegten Einsatz gut
vorbereitet und arbeiten eng mit der Stadt Aachen und mit allen relevanten
Sicherheitsbehörden zusammen – dazu zählen auch das NRW-Innenministerium
und die Nachrichtendienste.“ Polizei und Stadt haben ein gemeinsames Infoblatt zusammengestellt, das aktuell an die Anwohner*innen des innerstädtischen Bereiches verteilt wird.

Im Bereich Markt, Katschhof, Krämerstraße sowie zwischen Hühnermarkt und Krämerstraße, Schmiedstraße, Fischmarkt und Münsterplatz ebenso wie auf der Jakobstraße zwischen Judengasse und Markt wird in der Nacht zum 14. Mai ab
Mitternacht ein Sicherheitsbereich eingerichtet. Einzelhandel und Gastronomie sind ab diesem Zeitpunkt bis Sonntag, 21 Uhr, geschlossen. An zwölf Orten rund um Dom und Markt werden Durchlassstellen für Anliegerinnen eingerichtet. Die Polizei und die Stadt Aachen bemühen sich, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten und den Zugang zu Geschäften und Wohnungen zu gewährleisten. Geschäftstreibende sowie Anwohnerinnen werden gebeten, an diesen Tagen ihren Personalausweis mitzuführen. Einzelhandel und Gastronomie im oberen Teil der Pontstraße sind bereits am Samstag, 13. Mai, ab 16 Uhr nicht mehr zugänglich und bis Sonntag, 14. Mai, 21 Uhr geschlossen.

Der Leitende Polizeidirektor Wilhelm Sauer wies zudem darauf hin, dass seit heute Vormittag in Aachen die Gullydeckel auf und um den Markt verschlossen werden: „Einige kennen diese Maßnahme noch von der Verleihung des Karlspreises an den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Das ist eine der Maßnahmen, die zu unserem Sicherheitskonzept gehören.“ Zu den üblichen Standardmaßnahmen gehören beispielsweise auch die Absuche nach sprengfähigen Stoffen in Dom und Rathaus durch Sprengstoffspürhunde.

Bürgertelefon

Zu entsprechenden Fragen hat die Stadt Aachen unter der Telefonnummer 0241-432 0 in der Zeit von Samstag, 13. Mai, von 18 bis 21 Uhr und Sonntag, 14. Mai, von 8 bis 18 Uhr ein Bürgertelefon eingerichtet. Auch die Polizei Aachen steht unter der Nummer 0241 9577-21210 für Fragen zur Verfügung.


Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden am 14. Mai mit dem Karlspreis ausgezeichnet

  • Anders als in vergangenen Jahren findet die Verleihung diesmal nicht am Himmelfahrtstag statt.
  • Da die Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten aufgrund des besonderen Preisträgers und der Lage in der Ukraine sehr kompliziert ist, gibt es detailliertere Infos voraussichtlich erst kurz vor dem 14. Mai.
  • Unter den Gästen der Karlspreisverleihung befindet sich die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, die bei der Preisverleihung die Ansprache zu Ehren von Wolodymyr Selenskyi halten wird.

6.4.2023: In Aachen arbeiten Stadt und Karlspreisdirektorium momentan intensiv an der Vorbereitung zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an den ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk. Anders als in den vergangenen Jahren findet die Verleihung diesmal nicht am Himmelfahrtstag statt, sondern am Sonntag, den 14. Mai.

Weitere Details werden aktuell noch geklärt, da die Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten aufgrund des besonderen Preisträgers und der Lage in der Ukraine sehr kompliziert ist. Infos zum konkreten Ablauf der Verleihungszeremonie gibt es daher erst sehr kurz vor dem 14. Mai. Mit der Abweichung vom traditionellen Datum soll für die internationalen Gäste des Karlspreises eine Überschneidung mit einer relevanten Veranstaltung am Folgetag verhindert werden. Unter den Gästen der Karlspreisverleihung befindet sich auch die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, die bei der Preisverleihung die Ansprache zu Ehren von Wolodymyr Selenskyi halten wird.

„Die Situation für den Karlspreis und die Vorbereitungen ist natürlich schwieriger als in den Jahren zuvor“, so Dr. Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums. „Das wussten wir, weil das der Kriegssituation geschuldet ist.“ Der Karlspreisträger und Gäste, die ihn unterstützen, würden nun einmal in einer besonderen Gefährdungssituation sein, so Linden.

Ob Wolodymyr Selenskyj, der den Preis stellvertretend für das ukrainische Volk annimmt, persönlich bei der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses anwesend ist, oder ob er per Videotechnik dazugeschaltet wird, ist zurzeit noch völlig offen. Die Planungen beinhalten beide Szenarien und hängen stark von der dann vorliegenden Kriegslage und den entsprechenden Sicherheitskonzeptionen ab.

Dr. Jürgen Linden: „Wir betrachten die Karlspreisverleihung 2023 als einen Akt der Solidarität mit der Ukraine. Zugleich sehen wir sie als Zeichen der Ermutigung für das ukrainische Volk und seinen Präsidenten, für die Demokratie und die Menschenrechte, vor allem aber für Leib und Leben der Menschen und die europäische Werte, die in diesem Krieg verteidigt werden.“ Linden hob besonders den unglaublichen Mut und den neuen politischen Stil von Präsident Selenskyj hervor, der die Klammer zwischen der Ukraine und der europäischen Gesellschaft bilde und zeitgleich für sein eigenes Volk die Verteidigungsbereitschaft auch in schwierigsten Zeiten hochhalte. „Gleichzeitig“, so Dr. Linden, „gibt er die Hoffnung, dass dieses Unterfangen auch erfolgreich ist.“

Sibylle Keupen ergänzt: „Wir wissen, dass wir mit der Preisverleihung nicht den Krieg beenden oder die direkten Folgen des Krieges mildern können. Doch wir wollen dem ukrainischen Volk mit dem Karlspreis demonstrieren, dass es wahrgenommen wird, dass wir an seiner Seite stehen. Das tun wir hier in Aachen mit unseren Mitteln und mit vollem Herzen.“


Der Karlspreis 2023 geht an den Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj und an das ukrainische Volk

  • Das Karlspreis-Direktorium ehrt den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk mit dem Karlspreis 2023.
  • Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, erklärte „im Namen des Präsidenten, der Regierung und des freien Volkes“, welche „Riesen-Ehre“ es sei, mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet zu werden.
  • Angestrebt ist, den Karlspreis traditionell am Himmelfahrtstag zu verleihen. Ob es möglich sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.

16.12.2022: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden im Jahr 2023 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Das gaben der Vorsitzende des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, Dr. Jürgen Linden, und die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen am heutigen Tag (16. Dezember 2022) in Aachen bekannt.

„Die Entscheidung für den diesjährigen Karlspreisträger ist einstimmig getroffen worden“, eröffnet Dr. Jürgen Linden. „Wir betrachten diese Karlspreisverleihung 2023 als einen Akt der Solidarität mit der Ukraine. Zugleich sehen wir sie als Zeichen der Ermutigung für das ukrainische Volk und seinen Präsidenten, für die Demokratie und die Menschenrechte, vor allem aber für Leib und Leben der Menschen und die europäische Werte, die in diesem Krieg verteidigt werden.“ Linden hob besonders den unglaublichen Mut und den neuen politischen Stil von Präsident Selenskyj hervor, der die Klammer zwischen der Ukraine und der europäischen Gesellschaft bilde und zeitgleich für sein eigenes Volk die Verteidigungsbereitschaft auch in schwierigsten Zeiten hochhalte. „Gleichzeitig“, so Dr. Linden, „gibt er die Hoffnung, dass dieses Unterfangen auch erfolgreich ist.“

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, der zur Pressekonferenz per Videokonferenz zugeschaltet war, erklärte „im Namen des Präsidenten, der Regierung und des freien Volkes“, welche „Riesen-Ehre“ es sei, mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet zu werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj nehme den Preis mit Freuden an. „Der Karlspreis ist ein sehr wichtiges Zeichen der Unterstützung und ein besonderes Zeichen der Solidarität mit unserem Land und unserem Volk. Er ermutigt uns in unserem Kampf für die europäischen und demokratischen Werte, für die Freiheit und ein zukünftiges friedliches Leben“, ergänzte Makeiev. „Wir müssen leider feststellen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt, sondern erkämpft werden muss“, sagte der ukrainische Botschafter und bedankte sich ausdrücklich bei allen Menschen in Deutschland und in vielen europäischen Ländern, die seine Mitbürgerinnen und Mitbürger in den vergangenen Monaten in Schutz genommen hätten. „Damit haben Sie die Freiheit sowie unsere gemeinsame, friedliche, europäische Zusammenarbeit geschützt“.

In der Begründung des Karlspreisdirektoriums heißt es unter anderem: „Das ukrainische Volk ist Opfer eines völkerrechtswidrigen und unsäglich brutalen russischen Angriffskrieges. Das ukrainische Volk verteidigt unter der Führung seines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger, sondern auch Europa und die europäischen Werte“. Selenskyi sei Halt und Vorbild für sein Volk – „er steht gegen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, für die Sicherstellung des alltäglich Notwendigen, für die existenziell notwendige Verteidigungsausrüstung und die Zuversicht, für das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil einer europäischen Völkerfamilie ist.“

Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen erinnerte an den erst wenige Tagen alten Beschluss des Aachener Stadtrats, eine Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Chernihiv aufzubauen: „Wir wissen, dass wir mit der Preisverleihung nicht den Krieg beenden oder die direkten Folgen des Krieges mildern können. Doch das Gespräch mit Chernihiv hat deutlich gemacht, dass Solidarität, mentale Unterstützung und Ermutigung eine wichtige Botschaft für die Menschen in der Ukraine sind – zusätzlich zu den nötigen und versprochenen Hilfsmaßnahmen des deutschen Staates und der EU.“ Sie betonte: „Wir wollen dem ukrainischen Volk mit dem Karlspreis demonstrieren, dass es wahrgenommen wird, dass wir an seiner Seite stehen. Das tun wir hier in Aachen mit unseren Mitteln und mit vollem Herzen.“

In der Begründung ist zu lesen: „Wolodymyr Selenskyj ist in diesem Verteidigungskrieg nicht nur der Präsident seines Volkes und der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, er ist auch der Motivator, Kommunikator, der Motor und die Klammer zwischen der Ukraine und der großen Phalanx der Unterstützer“. In seinem jüngst erschienen Buch „Botschaft aus der Ukraine“ unterstreicht der studierte Jurist Selenskyi, der seine Popularität vor der Präsidentschaft vor allem als Schauspieler, Fernsehmoderator, Drehbuchautor und Filmproduzent erlangte, seine Vorstellung von der Ukraine „als demokratische und freie Nation, als eine Wertegesellschaft nach europäischem Vorbild und als Teil Europas.“ Selenskyj, so das Karlspreisdirektorium, bekenne sich zu den Zielen der Europäischen Union. Deshalb habe Ursula von der Leyen ihn zu Recht mit den Worten charakterisiert: „Sie sind einer von uns. Wir wollen Sie drin haben.“

Final hebt das Direktorium durch die Verleihung des Karlspreises 2023 hervor, „dass die Ukraine Teil Europas ist und die Bevölkerung und ihre Regierungsvertreter, an der Spitze Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Werte vertreten und verteidigen und deshalb die Ermutigung verdienen, rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen.“ Und weiter: „Die Karlspreisgesellschaft fühlt sich geehrt, dass Präsident Selenskyj persönlich und stellvertretend für sein Volk die Ehrung des Jahres 2023 annimmt.“

Der Karlspreis an Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk soll traditionell am Himmelfahrtstag verliehen werden, ob dies möglich sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Sowohl das Format der Veranstaltung als auch der Zeitpunkt hänge von der dann vorliegenden Kriegslage und den entsprechenden Sicherheitskonzeptionen ab, so Dr. Jürgen Linden. „Ich gehe aber davon aus, dass wir die Planungen in den ersten Wochen des neuen Jahres konkretisieren können.“

Info zum Karlspreis

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sind Träger des 64. Internationalen Karlspreises zu Aachen. Im Jahr 2022 wurden die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo sowie im Jahr 2020/21 der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis mit dem Preis ausgezeichnet.

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011) oder Martin Schulz (2015), damals Präsident des Europäischen Parlaments. 2016 ging der Karlspreis an Papst Franziskus, im Jahr 2018 folgte der Staatspräsident Emmanuel Macron. Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis, der in Rom verliehen wurde.

Urkunde und Medaille

Verliehen wird neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt.


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(v.l.n.r.) Die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, gaben bekannt, dass Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der europäischen Rabbiner (CER), und mit ihm die jüdischen Gemeinschaften in Europa, im Jahr 2024 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet werden. Copyright © Stadt Aachen /Sarah Koll


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