Waldstrategie für naturnahe und klimaresiliente Wälder

Herzogenrath erarbeitet zukunftsfähige Waldstrategie für naturnahe und klimaresiliente Wälder

13.11.2024: Unter der Beteiligung von Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Fachleuten hat die Stadt Herzogenrath in einem mehrstufigen Prozess die Weichen für eine nachhaltige Waldstrategie gestellt. Deren Ziel ist es, die Wälder der Region naturnah, artenreich und klimaresilient zu bewirtschaften und dabei die Interessen aller Nutzergruppen zu berücksichtigen.

Der Prozess hierfür begann bereits am 7. August 2025 mit einem offenen Austausch zu Themen rund um das Waldmanagement in Herzogenrath. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung des Waldes für Biodiversität, Erholung und Holznutzung sowie die Herausforderungen durch den Klimawandel. Ein zentrales Anliegen war die naturnahe Bewirtschaftung mit möglichst wenigen Eingriffen, die Förderung klimaresilienter Wälder und eine achtsame Nutzung durch alle Gruppen. Die Waldbewirtschaftung in Herzogenrath orientiert sich dabei seit mehr als 25 Jahren an den NABU-Naturwaldkriterien. Gleichzeitig benannten die Teilnehmenden die Vereinfachung bestehender Vorgaben als wichtige Leitlinien für den Prozess.

Das zweite Treffen am 4. September 2025 führte die Arbeitsgruppe direkt in den Wald. An mehreren Stationen wurden verschiedene Waldtypen und jeweils aktuelle Herausforderungen besichtigt: von Buchenreinbeständen über ehemalige Fichtenflächen bis hin zu Beständen mit Amerikanischer Roteiche. Diskutiert wurden die Risiken und Chancen nicht-einheimischer Baumarten und die Bedeutung von Strukturvielfalt, also Bäumen unterschiedlicher Größe und Alters. Ein weiteres Thema war die Problematik des sogenannten Wildverbisses durch Wildtiere, die besonders gerne junge Laubbäume wie Eichen fressen. Diese müssen aber für den Wald im Klimawandel erhalten werden. Einigkeit bestand darin, dass die Mischung verschiedener Baumarten mit unterschiedlichen Höhen und Durchmessern langfristig entscheidend für die Klimaresilienz der Wälder ist.

Das dritte Treffen am 29. Oktober 2025 kombinierte eine Exkursion ins Wurmtal mit einer abschließenden Diskussion im Saal. Im Fokus stand die Vereinbarkeit von Holznutzung und Naturschutz. Die Arbeitsgruppe sprach sich für ein differenziertes, am Maßnahmenkonzept für das FFH-Gebiet Wurmtal sowie an den NABU-Naturwaldprinzipien orientiertes Waldmanagement aus. Im anschließenden Saalgespräch wurde deutlich, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen: den Herzogenrather Wald als vielfältigen, klimaangepassten und ökologisch stabilen Lebensraum zu erhalten und weiterzuentwickeln. Sichtbare Maßnahmen wie die Kennzeichnung von Habitatbäumen, die Förderung der Umweltbildung sowie gezielte Öffentlichkeitsarbeit sollen das Bewusstsein für den Wert naturnaher Wälder stärken. Das große Engagement der Teilnehmenden und ihr Wille zur Kooperation zeigen, dass der eingeschlagene Dialogprozess trägt und ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltig abgestimmten Waldstrategie für Herzogenrath ist.


Aachener Wald: Rücksicht wahren zu Wildkätzchen und Co.

  • Der Frühling ist da und die Wälder und Wiesen werden zur Kinderstube.
  • Derzeit ist besondere Rücksichtnahmen in der Natur angesagt.
  • Scheinbar hilflose Katzen im Wald keinesfalls mitnehmen.

Gero Röthke, Fachbereich Klima und Umwelt der Stadt Aachen, Christine Thiel-Bender, BUND, und Gerd Krämer Leiter des Forstamts Aachen (v.l.) informieren im Aachen Wald. © Stadt Aachen/Björn Gürtler

25.4.2024: Sprießende Knospen und die von Tag zu Tag zunehmende Blütenpracht sind ein untrügliches Zeichen: Der Frühling ist da! Doch nicht nur Pflanzen erwachen zu neuem Leben, auch unsere heimischen Wildtiere erwarten in den nächsten Wochen Nachwuchs. Der Aachener Wald und die hiesigen Felder und Wiesen werden wieder zu einer großen Kinderstube. Daher rufen in diesen Wochen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Fachbereich Klima und Umwelt der Stadt Aachen, hier insbesondere die Untere Naturschutzbehörde und das Gemeindeforstamt Aachen zu erhöhter Aufmerksamkeit und Rücksicht in Wald und Flur auf. Der Nachwuchs von Reh, Marder, Fuchs und Co. tummelt sich im Wald, genauso wie die Küken zahlreicher Vogelarten. Auch die Kätzchen der streng geschützten und seltenen Europäischen Wildkatze, die im Aachener Wald nachgewiesen werden konnte, erobern gerade spielerisch die Welt.

Neben vielen Natur gegebenen Gefahren stellen auch der Mensch sowie freilaufende Hunde und Katzen für Jungtiere eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. So können zum Beispiel gut getarnte Vogelnester von Bodenbrütern schnell übersehen und zertreten werden. Auch der Geruch eines Hundes kann dazu führen, dass die Elterntiere ihr Gelege oder ihre Jungen fluchtartig verlassen. Während ihrer Abwesenheit kann das Gelege auskühlen oder die Jungtiere einem Räuber zum Opfer fallen.

Christine Thiel-Bender, Artenschutzreferentin des BUND in Nordrhein-Westfalen erklärt: „Zusätzlich besteht bei den jungen Wildkatzen die Gefahr, dass sie mit Hauskatzen verwechselt werden. Ihr grau-getigertes Fell sieht genauso wie das unserer kleinen Stubentiger aus. Im guten Glauben nehmen Menschen solch vermeintlich hilflose Hauskatzen mit, um ihnen ein Zuhause zu geben.“ Da Wildkatzen nicht nur in abgelegenen Wäldern wie etwa der Eifel vorkommen, sondern mancherorts auch recht nah an Städten, auch in Aachen, empfiehlt der BUND auch hier dringend, Katzenjungen in Wäldern nicht anzufassen oder gar aufzulesen.

Ein Mitnehmen bedeutet für die Tiere großen Stress und große Risiken. Christine Thiel-Bender: „Wenn junge Wildkatzen grundlos aus dem Wald mitgenommen werden, so besteht Lebensgefahr für sie. Der Stress für ein Wildtier eingesperrt beim Menschen ausharren zu müssen und die Hauskatzen-Krankheiten bringen die meisten Kätzchen in der ersten Woche um.“ Als geschützte Wildtierart dürfen sie zudem nicht ohne Not aus dem Wald mitgenommen werden.

Kooperation von BUND und Gemeindeforstamt

In Aachen arbeiten das Gemeindeforstamt und der BUND seit einigen Jahren eng zusammen, um das Vorkommen der Wildkatze zu untersuchen. So konnte letztes Jahr auch der Nachweis von Wildkatzennachwuchs erbracht werden. Gemeinsam hängen sie am heutigen Tag Informationsschilder an beliebten Wanderparkplätzen auf. Diese Schilder sollen auf die Verwechslungsgefahr von Haus- und Wildkatze aufmerksam machen. Denn nur was man kennt kann man auch schützen.

Abstand zu Jungtieren wahren

Grundsätzlich wird empfohlen zu Jungtieren Abstand zu wahren und sie in Ruhe zu lassen. In der Regel sind die Muttertiere gerade auf der Jagd oder warten in der Nähe. Im Zweifelsfall ist es möglich, sich an den BUND oder an die zuständigen Förster*innen der Stadt Aachen zu wenden. Deshalb bittet auch Gerd Krämer, Leiter des Gemeindeforstamts Aachen: „Während der Brut- und Setzzeit brauchen die Tiere ein besonders ungestörtes Umfeld. Daher ist es jetzt besonders wichtig, dass Waldbesucher und Hunde auf den Wegen bleiben.“ Daher bitten der BUND, das Gemeindeforstamt Aachen und die Untere Naturschutzbehörde die Hundehalter ihren Hund in der Zeit von Anfang April bis Ende Juli im Wald und in der freien Landschaft ausschließlich unter strenger Beobachtung und möglichst angeleint auszuführen.

Der stellvertretende Leiter die Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Aachen, Gero Röthke weist darauf hin, dass generell Hunde gemäß § 2 Absatz 1 Landeshundegesetz NRW so zu führen und zu beaufsichtigen sind, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. In öffentlichen Park-, Garten- und Grünanlagen besteht für Hunde – mit Ausnahme besonders ausgewiesener Hundeauslaufbereiche – zur Vermeidung von Gefahren ohnehin Leinenzwang (§ 2 Absatz 2 Landeshundegesetz NRW). Röthke: „Darüber hinaus besteht grundsätzlich ein Betretungsverbot in Naturschutzgebieten abseits der Wege.“

In der Ackerlandschaft des Aachener Nordens stellen freilaufende Hunde insbesondere für den Nachwuchs von Bodenbrütern wie Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche eine Gefahr dar. Deren Bestände verzeichnen in den letzten beiden Jahrzehnten dramatische Einbrüche.

Deshalb lautet der Appell an alle verantwortungsbewussten Hundehalter*innen: Den vierbeinigen Liebling bis Ende Juli immer angeleint ausführen.

Auch freilaufende Hauskatzen stellen für Gelege und Jungvögel ein hohes Risiko dar. „Stubentiger“ bleiben deshalb während der Fortpflanzungszeit unserer Wildtiere besser im heimischen Umfeld.

Mehr Informationen und Kontakt, wenn man Wildkatzenjungen gesehen hat: https://www.bund-nrw.de/themen/wildkatze/aktiv-werden/wildkatzenmeldungen/


Wald und Flur werden wieder zur „Kinderstube“: Was ist zu beachten?

10.5.2022: Der Aachener Wald und die hiesigen Felder und Wiesen werden zurzeit wieder zu einer großen Kinderstube: die Brut- und Setzzeit der heimischen Wildtiere beginnt. Sowohl tragende und brütende Tiere als auch ihr Nachwuchs sind in dieser Zeit nicht schnell oder kräftig genug, um sich vor vermeintlichen Gefahren in Sicherheit zu bringen.

Die Gefahren sind vielfältig. So können die gut getarnten Vogelnester von Bodenbrütern schnell übersehen und zertreten werden. Häufige Störungen führen dazu, dass Wildtiereltern ihren Nachwuchs verlassen oder ihr Nest aufgeben. Einige Waldbesucherinnen oder Waldbesucher berühren vermeintlich verlassene Jungtiere. Diese werden oft von ihren Eltern verstoßen, da sie den Geruch des „Feindes“ angenommen haben. Für alle Wildtiere gilt das Gleiche: Sie sind jetzt besonders gefährdet, sie brauchen Ruhe und Sicherheit.
Es ist daher wichtig, dass die Menschen in der jetzigen Jahreszeit mit viel Rücksicht und Umsicht bei ihren Ausflügen in die Natur unterwegs sind. Das Gemeindeforstamt im Fachbereich Klima und Umwelt der Stadt Aachen empfiehlt allen: Hunde sollten angeleint bleiben, am besten auch auf den Wegen. Beim Laufen und Radfahren sollten nur die offiziellen Wege in Wald und Wiese genutzt werden. Rehkitze, andere junge Wildtiere oder auch Vögel sind nicht allein. Deshalb sollten sie in Ruhe gelassen und auf alle Fälle nicht angefasst werden.

Viele Wildtiere, darunter Rehe und Hasen, legen ihren Nachwuchs in den ersten Wochen nach der Geburt an einer für sie sicheren Stelle ab und suchen dann nach Nahrung. „In regelmäßigen Abständen kehren die Mütter oder auch Eltern zum Nachwuchs zurück, um ihn zu säugen, zu füttern oder umzuquartieren“, sagt Dr. Gerd Krämer, Leiter des Forstamts. Selbst wenn die Eltern längere Zeit wegblieben, sei ihr Nachwuchs weder verwaist noch krank. „Die Eltern kennen den Aufenthaltsort ihres Nachwuchses. Sie finden sich durch gegenseitige Ruflaute immer wieder“, betont Krämer.

Wer unsicher sei, könne dem städtischen Gemeindeforstamt den Fundort mitteilen, unter der Rufnummer 0241/432-36611.


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Foto mit Bäumen im Sommer und einem Waldweg. Foto: aachenerkinder.de


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