Valdis
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Ausstellung im Ludwig Forum Aachen:

Valdis ĀboliƆơ und wie FLUXUS nach Aachen kam

23. MĂ€rz 2018 – 19. August 2018
  • Von Beuys bis Immendorff: Valdis ĀboliƆơ holte in den 1960-er Jahren die Avantgarde nach Aachen.
  • Ausstellung im Ludwig Forum geht dem Leben und Wirken des legendĂ€ren AStA-Kulturreferenten anhand von Fotos, Filmen und Originaldokumenten nach.
  • Eröffnung ist am Donnerstag, 22. MĂ€rz 2018, um 20 Uhr – dann wird auch der Justus Bier Preis fĂŒr Kuratoren an Dr. Andreas Beitin, Dr. Brigitte Franzen und Holger Otten verliehen.

Foto: 1963, Courtesy V. ĀboliƆơ’s Archive, Latvian Centre for Contemporary Art – www.medien.aachen.de / Fachbereich Presse und Marketing

Als am 20. Juli 1964 im Audimax der Technischen Hochschule mit KĂŒnstlern wie Joseph Beuys, Wolf Vostell, Bazon Brock und Robert Filliou die GrĂ¶ĂŸen der FLUXUS-Bewegung auftraten, war die performative Avantgarde-Kunst mit einem Paukenschlag in Aachen eingefallen. Zur skandaltrĂ€chtigen Aktion hatte der damalige Kulturreferent der Studentenvertretung der TH eingeladen – Valdis ĀboliƆơ (1939-1984).

Obwohl der gebĂŒrtige Lette in den 1960er-Jahren eine der zentralsten Figuren der Aachener Avantgardeszene war, blieb seine Person hinter den von ihm initiierten Kunstaktionen weitgehend verdeckt. Dabei ist seine eigene Biografie nicht weniger schillernd als die Kunst, fĂŒr die er sich stark gemacht hat. Das zeigt jetzt die dokumentarische Ausstellung „Valdis ĀboliƆơ und wie FLUXUS nach Aachen kam“, vom 23. MĂ€rz bis 19. August 2018 im Ludwig Forum fĂŒr Internationale Kunst in Aachen zu sehen ist.

 

„Gedenkveranstaltung“ im Audimax

ĀboliƆơ Leben spielte sich in der Ära des Kalten Krieges ab, in der AtmosphĂ€re des politischen und kulturellen Umbruchs im Westen einerseits und als Teil der politischen Gemeinschaft lettischer Nachkriegs-Exilanten andererseits. In beiden SphĂ€ren hinterließ ĀboliƆơ deutliche Spuren, an die die Ausstellung Valdis ĀboliƆơ und wie FLUXUS nach Aachen kam erinnern möchte.

 

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges, kurz vor der zweiten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1944, setzten sich mehr als 200.000 Letten (ca. 10% der Bevölkerung) in den Westen ab und blieben hĂ€ufig auch nach dem Krieg dort. Auch ĀboliƆơ kam als Kleinkind zusammen mit seiner Familie als GeflĂŒchteter nach Deutschland. Nach einer Zwischenstation in einem Lager fĂŒr sogenannte Displaced Persons zog die Familie Anfang der 1950er-Jahre nach Köln.

 

Als sich in den frĂŒhen 1960er-Jahren das gesellschaftliche Klima in Westeuropa immer spĂŒrbarer zu verĂ€ndern begann, nahm Valdis ĀboliƆơ sein Architekturstudium in Aachen auf. Als Kulturreferent der Studentenvertretung der Technischen Hochschule wollte er den allgemeinen kulturellen Umbruch der Zeit von Aachen aus miterleben und -gestalten, in dem er experimentelle Theaterperformances, kĂŒnstlerische Happenings und Konzerte veranstaltete. Das folgenreichste Event war das eingangs erwĂ€hnte Fluxus-Festival der Neuen Kunst im Audimax der UniversitĂ€t. Der Termin der Veranstaltung am 20. Juli 1964 fiel mit dem Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler 1944 zusammen. Als „Gedenkveranstaltung“ deklariert, bezogen sich viele der auftretenden KĂŒnstler in ihrem Beitrag auf die Zeit des Faschismus, was zu tumultartigen Szenen wĂ€hrend der AuffĂŒhrung und im Nachgang zu einem handfesten Skandal fĂŒhrte, fĂŒr den sich ĀboliƆơ und seine Mitstreiter in einem Ermittlungsverfahren zu verantworten hatten.

 

Von Nam June Paik bis Immendorff

ĀboliƆơ organisierte weitere avantgardistische Ausstellungen, Aktionen und Happenings mit KĂŒnstlern wie Nam June Paik, Charlotte Moorman und GĂŒnter Brus in den RĂ€umen der Hochschule, ab 1966 dann auch in der Galerie Aachen, die er zusammen mit Kommilitonen gegrĂŒndet hatte. Die hier gezeigten damals gerade aufstrebenden, heute teils weltberĂŒhmten KĂŒnstler, forderten das traditionelle KunstverstĂ€ndnis heraus und koppelten ihre Aktionen mit der sozio-politisch aufgeladenen AtmosphĂ€re der 1960er-Jahre rĂŒck: Hans-Peter Alvermann, John Latham, Chris Reinecke und andere. Jörg Immendorff, damals noch Kunststudent in DĂŒsseldorf, zeigte in der Galerie Aachen eine seiner ersten Aktionen außerhalb der Kunstakademie; Franz-Erhard Walther hatte hier seine erste Einzelausstellung ĂŒberhaupt. Die Galerie Aachen existierte nur eineinhalb Jahre, aber wie der Kunstkritiker Klaus Honnef schrieb: „Sie gab Impulse fĂŒr kulturelle Entwicklungen, die in Aachen einige Jahre frĂŒher keiner fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte.“

 

1968, auf dem Höhepunkt der studentischen Protestbewegungen und der AktivitĂ€ten der Außerparlamentarischen Opposition, entwickelte Valdis ĀboliƆơ, geprĂ€gt von Gedanken des Neomarxismus und der Kritischen Theorie, die Idee einer neuen Linken im Kontext der Gemeinschaft lettischer Exilanten. Ziel war es, Möglichkeiten eines kulturellen Austauschs zwischen dem Westen und Lettland zu finden, das im Ostblock weitgehend isoliert war. Nach seiner Übersiedlung nach West-Berlin wurde ĀboliƆơ 1975 GeschĂ€ftsfĂŒhrender SekretĂ€r der neuen Gesellschaft fĂŒr Bildende Kunst (nGbK), deren AusstellungstĂ€tigkeit sich auf politisch-kritische Kunst konzentrierte. Wahrscheinlich war es gerade die Perspektive des Exilanten ĀboliƆơ, die dazu fĂŒhrte, dass die nGbK einen nicht-westlichen Fokus entwickeln konnte, noch bevor dies im Zuge der Postcolonial Studies im allgemeinen Kulturbetrieb ein Thema wurde.

Einen besonderen Stellenwert im kreativen Leben von Valdis ĀboliƆơ hatte seine Mail Art. Seine experimentell und exzentrisch gestalteten Briefe gingen nicht nur an Freunde in Deutschland, sondern reisten auch hinter den Eisernen Vorhang, woraus sich ein privates Kunst-Korrespondenz-Netzwerk spann, das unabhĂ€ngig von bekannten Mail-Art-Bewegungen war, etwa im Fluxus-Kontext.

 

Fotos, Filme, Originaldokumente

Anhand von Fotos, Filmen und Originaldokumenten lĂ€dt die Ausstellung im Ludwig Forum dazu ein, das Leben und Wirken Valdis ĀboliƆơ zu entdecken. Dies schließt die vielen Avantgarde-Veranstaltungen, die ĀboliƆơ nach Aachen holte, genauso ein wie die kulturellen Beziehungen, die er durch den Eisernen Vorhang hindurch knĂŒpfte. So thematisiert die Ausstellung nicht nur die Konfrontationen und BrĂŒche der Ära des Kalten Krieges, sondern auch die Möglichkeiten kultureller BrĂŒckenschlĂ€ge zwischen den Machtblöcken in Ost und West.

 

Die PrÀsentation bildet den Auftakt der Ausstellung Flashes of the Future. Die Kunst der 68er oder Die Macht der OhnmÀchtigen und entstand in Kooperation mit dem Latvian Center for Contemporary Art (LCCA) in Riga.

 

Eröffnung ist am Donnerstag, 22. MĂ€rz 2018, um 20 Uhr. Dann wird auch der Justus Bier Preis fĂŒr Kuratoren an Dr. Andreas Beitin, Dr. Brigitte Franzen und Holger Otten verliehen.

 

Kuratoren: Ieva Astahovska / Benjamin Dodenhoff

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