Infotafeln

Neue Infotafeln erinnern an Zweiten Weltkrieg in Aachen

  • Im Bereich Schneeberg und am Relais Königsberg informieren neu
    aufgestellte Tafeln ĂŒber den Westwall und Aachens besondere Rolle
    im Zweiten Weltkrieg.
  • Projekt des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) machte
    Realisierung vor Ort möglich.
  • Orte wurden so ausgewĂ€hlt, dass sie besonders fĂŒr Wanderer und
    Radtouristen die Geschichte der Westwall-Befestigung in der Landschaft
    erlebbar machen.

Wolfgang Wegener, LVR-Amt fĂŒr Bodendenkmalpflege im Rheinland
Dr. Markus Pavlovic, StadtarchÀologe
Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Der Westwall, noch an mehreren Stellen im Aachener Stadtgebiet
sichtbar, gilt bis heute als mahnendes Beispiel fĂŒr das kriegerische
Treiben der Nazidiktatur und die verheerenden Folgen, die dies fĂŒr die
Menschen in Deutschland und ganz Europa mit sich brachte. Bei
SpaziergĂ€ngen und Wanderungen stoßen Passanten immer wieder auf diese
Relikte aus Stahlbeton, die ein StĂŒck weit noch das Landschaftsbild
prĂ€gen. An zwei markanten Stellen – im Bereich Schneeberg und am
Relais Königstein – kann man nun „direkt vor Ort“ Wissenswertes ĂŒber
den Westwall und die besondere Rolle Aachens im Zweiten Weltkrieg
erfahren.

Die Stelltafeln in Aachen sind im Zusammenhang mit dem Verbundprojekt
des Landschaftsverbandes „1914 – Mitten in Europa – Das Rheinland
und der Erste Weltkrieg“ entstanden. Das LVR-Amt fĂŒr
Bodendenkmalpflege im Rheinland hat hierfĂŒr in jĂŒngerer Vergangenheit
eine Bestandsaufnahme archÀologischer Kriegsrelikte des 20. Jahrhunderts
durchgefĂŒhrt. Neben einem Buch, das zu diesem Thema veröffentlicht
worden ist, sind im Rheinland insgesamt elf Infotafeln an besonders
geschichtstrÀchtigen Orten aufgestellt worden, zwei davon nun in
Aachen.

„Dies hĂ€ngt mit der besonderen Bedeutung der Stadt sowohl im
Zusammenhang mit dem Ausbau der Westbefestigung zwischen 1938 und 1940,
dem sogenannten Westwall, zusammen als auch mit der militÀrischen
Entwicklung im Zweiten Weltkrieg, als Aachen im September/Oktober 1944
zur ersten befreiten Stadt im Deutschen Reich wurde“, erklĂ€rte
Wolfgang Wegener vom LVR-Amt fĂŒr Bodendenkmalpflege im Rheinland beim
Pressetermin am 22. November an einer der Informationstafeln, die nun am
Schneeberg steht. Die zweite hat der Landschaftsverband Rheinland am
Relais Königsberg errichten lassen. „An beiden Standorten sind lĂ€ngere
Abschnitte einer fĂŒnfzĂŒgigen Panzersperre beziehungsweise Reste einer
der seltenen Panzermauern erhalten“, begrĂŒndete Wegener die Auswahl.
Zudem befinden sich in unmittelbarer NĂ€he mehrere gesprengte
Bunkeranlagen.

Auf den Tafeln werden nun in Text und Bild die Westwallstellung und
ihre historische Bedeutung erklĂ€rt. „Sie wurden extra an solchen Stellen
aufgestellt, die fĂŒr den Wanderer oder Radtouristen gut erreichbar sind
und die auch die Einbindung der Befestigung in die Landschaft erlebbar
machen“, sagte Wegener.

Aachens StadtarchĂ€ologe Dr. Markus Pavlovic begrĂŒĂŸt das LVR-Projekt,
das mit den beiden Infotafeln in Aachen sehr gut vertreten ist: „Der
Westwall erinnert uns daran, dass ein freiheitliches und der Einigung
zustrebendes Europa nicht selbstverstÀndlich ist, sondern ein wertvolles
Ziel, an dem wir stĂ€ndig arbeiten mĂŒssen.“ Gerade in Aachen und der
Euregio sei der Prozess der Überwindung von Grenzen spĂŒrbar und ein
wichtiger Faktor fĂŒr die Region. „Vielleicht darf man im Westwall auch
unabhĂ€ngig von seiner Zeitstellung ein Sinnbild fĂŒr die WillkĂŒr und
letztlich auch die Nutzlosigkeit sehen, mit der allzu oft gewaltsam
Grenzen gezogen wurden und werden.“, so Pavlovic weiter.

Der Westwall ist von 1938 bis 1940 gebaut worden. Er bestand aus einem
System von Panzersperren, Stollen, GrÀben und befestigten Kampfbunkern.
Errichtet wurde der Westwall zwischen Kleve und Weil am Rhein ĂŒber circa
630 Kilometer – mit insgesamt 18.000 Bunkern und Stollen.

Weitere Infos:

Ein Teil der Ergebnisse des Verbundprojektes des Landschaftsverbandes
„1914 – Mitten in Europa – Das Rheinland und der Erste
Weltkrieg“ ist in dem Buch: W. Hoppe/W. Wegener, ArchĂ€ologische
Kriegsrelikte im Rheinland. In: J. Kunow (Hrsg.), FĂŒhrer zu
archÀologischen DenkmÀlern im Rheinland 5 (Essen 2014), dargestellt.