„Optimismus ist Pflicht“: Stadtkämmerin stellt Haushaltsplanentwurf 2026 vor
- Der Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 weist mit rund 61 Millionen Euro Fehlbetrag höchstem Verzehr der Allgemeine Rücklage jemals aus – 8,62%.
- Neuer Höchststand des Kassenkredites von über 520 Millionen Euro erwartet.
- Einsatz eines globalen Minderaufwandes von bis zu 27 Millionen Euro jährlich ist weiterhin notwendig.
- Vorerst kein Verlustvortrag und keine Steuererhöhung.
18.12.2025: In der Ratssitzung am Mittwoch, 17. Dezember, hat Stadtkämmerin Annekathrin Grehling den Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2026 bis 2029 eingebracht.
Foto: Optimismus ist Pflicht: Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, Stadtkämmerin Annekathrin Grehling und André Schoel, Abteilungsleiter Haushaltsplanung und -controlling, stellen den Haushaltsplanentwurf 2026 vor. Copyright © Stadt Aachen / Antonia Knop
Der Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 schließt wiederholt mit einem außerordentlich hohen Fehlbetrag – rund 61 Millionen Euro – ab. Da bereits das Haushaltsjahr 2025 die Ausgleichsrücklage verbraucht haben wird, geht dieser Fehlbetrag komplett zu Lasten der Allgemeinen Rücklage. Um 8,62% wird unser Eigenkapital verzehrt.
Insgesamt weist der Entwurf für 2026 konsumtive Aufwendungen von fast 1,4 Milliarden Euro auf, des Weiteren stehen über 206 Millionen Euro für geplante Investitionsvorhaben zur Verfügung.
„Diese Zahlen verdeutlichen, vor welchen immensen finanziellen Herausforderungen die Stadt Aachen steht“, führt Grehling aus. Trotz des hohen Fehlbedarfs im Jahr 2026 ist der Haushalt dennoch genehmigungsfähig und dies Stand heute ohne Verlustvortrag und Steuererhöhung. „Dies ist in diesen angespannten Zeiten keine Selbstverständlichkeit und gelingt neben dem Einsatz eines globalen Minderaufwandes von bis zu 27 Millionen Euro jährlich auch durch die geplante Übernahme des Landes von Kassenkrediten im kommenden Jahr von vermutlich über 120 Millionen Euro“, so die Stadtkämmerin. Das Land NRW hat beschlossen zum Ende des Jahres 2026 insgesamt rund die Hälfte der gesamtkommunalen Liquiditätskredite (zum Stand 31.12.2023) zu übernehmen.
Der Stadt Aachen werden somit zum Ende kommenden Jahres voraussichtlich über 120 Mio. Euro an Kassenkrediten abgenommen. Somit wird einmalig in gleicher Höhe das Eigenkapital gestärkt und Zinslast gesenkt. „Allerdings wird die Verbesserungen aus der Schuldenübernahme schnell wieder durch neue Schulden aufgezehrt werden, wenn nicht die Finanzausstattung der Kommune grundlegend verbessert wird“, führt Grehling aus. „Aber ohne eigenen Beitrag geht es auch nicht“, so die Städtkämmerin. Dafür steht unter anderem der globale Minderaufwand, mit dem sich regelmäßig eine enge Haushaltsbewirtschaftung verbinden muss. „Optimismus ist Pflicht. Es geht nicht darum Probleme zu ignorieren, sondern aktiv nach Lösungen zu suchen und die Zukunft positiv zu gestalten.“
In der mittelfristigen Planung wird bei positiven Ertragserwartungen und enger Bewirtschaftung mit Fehlbeträgen zwischen rund 31,9 bis 38,0 Mio. Euro gerechnet. Der Eigenkapitalverzehr liegt in der Spitze bei 4,92% und damit nur leicht unter der gesetzlichen Höchstgrenze von 5%.
„Der Haushaltsentwurf 2026 macht deutlich: Unser Haushalt steht an der Grenze. Wenn wir weiter selbst die Themen der Zukunft, wie Digitalisierung, Wohnen, Verwaltungsmodernisierung, Katastrophenschutz, Bildung und die notwendigen Investitionen voranzutreiben wollen, können wir nicht nur auf die Hilfe von außen warten“, berichtet Oberbürgermeister Michael Ziemons. „Auch wir müssen uns neu ausrichten und fokussieren, eigene Grenzen vorgeben“, führt der Oberbürgermeister weiter aus.
Im nächsten Schritt Beratungen mit der Politik
Vor der abschließenden Beschlussfassung im Rat der Stadt Aachen am 11. März 2026 finden noch die Beratungen in den Fraktionen sowie anschließend in den Bezirksvertretungen, den Fachausschüssen und dem bündelnden Haupt- und Finanzausschuss statt.
Haushaltsplanentwurf online einsehbar
Die Haushaltsrede der Kämmerin und der zur Beratung vorgelegte Haushaltsplanentwurf 2026 können ab sofort auch auf aachen.de/haushalt eingesehen werden. Außerdem bietet die Stadt hier die Möglichkeit, die zugrundeliegenden Zahlen benutzerfreundlich mit dem Interaktiven Haushalt zu durchforsten.
Haushalt der StädteRegion Aachen für 2025 verabschiedet: Große Kraftanstrengungen im Sinne der Kommunen.
11.4.2025 – StädteRegion Aachen. Der Haushaltsplan der StädteRegion Aachen für das laufende Jahr 2025 ist während der Sitzung des Städteregionstages (10.04.2025) beschlossen worden. Die seit vielen Jahren bestehende Mehrheit von CDU und Grünen hat das fast eine Milliarde schwere Zahlenwerk mehrheitlich so beschlossen. Es geht bei Einnahmen von 963 Millionen Euro und Ausgaben von 997 Millionen Euro von einem 34 Millionen Euro großen Defizit aus. Das Haushaltsloch wird allerdings durch einen so genannten „globalen Minderaufwand“ von zwei Prozent um rund 20 Millionen auf dann noch 14 Millionen Euro reduziert. Diese Lücke wird letztlich durch die Entnahme aus der Rücklage der StädteRegion ausgeglichen.
Foto: Kämmerer Thomas Claßen (links) und Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier mit einem Exemplar des Haushaltsplans für 2025. Das fast eine Milliarde schwere Zahlenwerk ist von der Schwarz-Grünen Mehrheit im Städteregionstag jetzt so beschlossen worden.
Bild: (Holger Benend, StädteRegion Aachen)
Aufgrund von deutlich gestiegenen Sozialausgaben, Tarif- und Zinserhöhungen, inflationsbedingten Kostensteigerungen, nach wie vor hohen Flüchtlingszahlen und nicht zuletzt der deutlich steigenden Landschaftsverbandsumlage besteht 2025 ein klar höherer Finanzbedarf bei der StädteRegion. „Diese beiden Maßnahmen des globalen Minderaufwands und der Rücklagenentnahme sind die letzten Stellschrauben, die wir als StädteRegion noch haben, um unsere Städte und Gemeinden weniger zu belasten. Die Ausgleichsrücklage werden wir bis 2028 komplett aufbrauchen. Und der globale Minderaufwand bedeutet konkret, dass wir jeden Euro zweimal umdrehen und neben besonderer Ausgabendisziplin auch ein noch engmaschigeres Controlling nutzen“, so Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier.
Der Haushalt weist dennoch laut dem Kämmerer, Thomas Claßen, für die kommenden Jahre hohe Risiken auf: „Schwierige finanzielle Zeiten liegen nicht mehr vor uns, sie sind bereits angebrochen. Wenn Bund und Land nicht gegensteuern, rutschen erkennbar viele Kommunen in die Haushaltssicherung ab.“ Genau hier sieht Dr. Grüttemeier aber positive Anzeichen durch den Koalitionsvertrag von CDU und SPD auf Bundesebene: „Aus kommunaler Sicht ist das Sondervermögen für die Infrastruktur elementar wichtig. Bei den geplanten Investitionen muss nun aber auch das Geld unbürokratisch und schnell vor Ort ankommen. Zudem ist die Beteiligung des Bundes an einem kommunalen Entschuldungsprogramm ein erster Schritt. Es braucht aber eine grundsätzliche Neuordnung der Finanzen, wenn man die Kreise, Städte und Gemeinden dauerhaft handlungsfähig halten will und die kommunale Selbstverwaltung ernst nimmt.“
Trotz finanziell schwerer Zeiten, so Dr. Grüttemeier, stelle der Etat aber insbesondere in den wichtigen Bereichen Schulen, Kitas und bei dem Bevölkerungsschutz die notwendigen Investitionen in die Zukunft sicher. Es ist geplant, den Haushalt 2025 noch vor Ostern der Bezirksregierung Köln zur Genehmigung vorzulegen. Die StädteRegion rechnet voraussichtlich im Laufe des Juni 2025 mit der Genehmigung des Haushalts.
Der Haushaltsentwurf und die jetzt beschlossene Änderungsliste stehen auf der Internetseite der StädteRegion Aachen unter www.staedteregion-aachen.de/haushalt zur Verfügung.
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