German Overshoot Day – Erdüberlastungstag

Am 5. Mai war der „German Overshoot Day“: Städte und Initiativen zeigen lokale Antworten für ein gutes Leben in der Zukunft

Der deutsche Erdüberlastungstag (German Overshoot Day) war am 5. Mai: Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie die Einwohnerinnen und Einwohner Deutschlands, wäre an diesem Tag der weltweite Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) gewesen. Das geht aus den Berechnungen zum ökologischen Fußabdruck und der Nutzung von Ressourcen hervor. Diese wurden von der Footprint Data Foundation, der York University und dem Global Footprint Network veröffentlicht.

Vom 1. Januar bis heute haben die Deutschen im Durchschnitt so viel von der Natur verbraucht, wie der Planet pro Person im gesamten Jahr erneuern kann. Eine Verschiebung des Datums (#MoveTheDate) des deutschen und des „Earth Overshoot Day“ ist möglich. Dafür müssen Infrastrukturen umgestaltet, Prozesse deutlich ressourceneffizienter gestaltet, die Energiesysteme dekarbonisiert, Kohlendioxid (CO2) durch Aufforstung gebunden und ressourcenschonender gelebt werden. Schon jetzt zeigen viele bürgerliche und kommunale Initiativen den Weg in eine nachhaltige Zukunft.

So hat die Stadt Aachen im Juni 2019 den Klimanotstand ausgerufen und sich per Beschluss im Januar 2020 – in Anlehnung an die internationalen Ziele von Paris –auf den Weg zu einer klimaneutralen Stadt bis ins Jahr 2030 gemacht. Die Strategie dorthin und die notwendigen Maßnahmen sind im Integrierten Klimaschutzkonzept (IKSK) von August 2020 beschrieben. Ein wesentlicher Bestandteil ist die verstärkte Nutzung der Sonnenenergie in der Stadt Aachen. Die Stadt selbst wird deshalb in den nächsten fünf Jahren alle hierfür geeigneten Dächer auf ihren eigenen Gebäuden mit Photovoltaik (PV)-Anlagen bestücken.

„Sich auf diesen Weg zu begeben, ist ein komplexes Unterfangen, aber unverzichtbar für ein gutes Leben jetzt und in Zukunft in unserer Stadt. Solche Ansätze verschieben den deutschen Overshoot Day”, sagte Sybille Keupen, die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen.

Ein großer Hebel für die Stadt Aachen liegt im Bereich der Energieerzeugung. Theoretisch haben Photovoltaik (PV)-Anlagen auf den Dächern der Stadt das Potenzial, den kompletten Strombedarf aller Haushalte der Stadt zu decken (394 Gigawattstunden (GWh) für 149.000 Haushalte). Ein Viertel dieses Potenzials möchte die Stadt bis zum Jahr 2030 erschlossen sehen und stellt entsprechende Fördermittel für Anlagen bereit. Rund 6.500 Tonnen Kohlendioxid (gut acht Prozent des jährlichen CO2-Reduktionsziels) sollen so jedes Jahr vermieden werden.

Das im September 2020 im Rahmen des integrierten Klimaschutzkonzepts gestartete Öcher Solar-Förderprogramm unterstützt Privatleute und Betriebe mit Zuschüssen und Beratungsleistungen. Rund 150 Anlagen wurden bereits gefördert, in diesem Jahr kann die Stadt weitere 1.000 Anlagen bezuschussen.

Das Projekt „We #MoveTheDate“ wird geleitet vom Global Footprint Network und vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Die Stiftung Mercator fördert es. Zusammen mit Bürgerinitiativen, Stadtverwaltungen und der allgemeinen Öffentlichkeit in Deutschland beschleunigt das Projekt Lösungen für die Verschiebung des Erdüberlastungstags und sucht Wege, um diese zu vervielfachen. Eine Stadt wie Aachen ist mit ihren Initiativen längst noch nicht am Ziel, aber sie hat sich auf den Weg gemacht gemeinsam mit starken Partnern – den Bürger*innen der Stadt.

„Klimaschutz ist die Antwort auf ein Gesellschaftsproblem, das uns alle direkt betrifft. Daher muss es gelingen, dass möglichst viele unterschiedliche gesellschaftliche Akteure den Klimaschutz zu ihrem Thema machen und sich politisch einbringen. Gerade auf der lokalen Ebene bestehen große Potenziale, im direkten Dialog mit den Stadtverwaltungen eine klimafreundliche und ressourcenschonende Zukunft mitzugestalten. ‚We #MoveTheDate‘ unterstützt zivilgesellschaftliches Engagement und daher fördern wir dieses Projekt mit großer Freude“, sagte Dr. Lars Grotewold, Leiter des Bereichs Klimaschutz der Stiftung Mercator.

Es gibt bereits viele Lösungen, die den Overshoot Day nach hinten schieben, von innovativen Produkten bis hin zur Stadtentwicklung. Es gibt einen „We #MoveTheDate“-Wettbewerb für Lösungen, die zeigen, was in Deutschland bereits gemacht wird, um das Datum zu verschieben. Erste Beispiele finden Interessierte auf folgender Internetseite: www.overshootday.org/movethedate-deutschland/

Weitere Informationen:

Über den ökologischen Overshoot

Seit Anfang der 1970er Jahre befindet sich die Menschheit in einem ökologischen Defizit. Während Deutschlands Biokapazität pro Person etwa gleich groß ist wie die der Welt, ist der ökologische Fußabdruck pro Einwohner etwa dreimal so groß. Die Überlastung kann nicht ewig andauern. Die Auswirkungen dieses globalen ökologischen Overshoots sind bereits in Form von Abholzung, Bodenerosion, Verlust der Artenvielfalt und der Anhäufung von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu beobachten. Ökologisch defizitär zu wirtschaften bedeutet, dass die Menschheit nicht nur die jährlichen „Zinsen“ ihres Naturkapitals verbraucht, sondern dieses auch abbaut, indem sie Ressourcen aus der Zukunft nimmt, um die Gegenwart zu bezahlen. Mit den ökologischen Vorschüssen zukünftiger Generationen zu arbeiten, ist offensichtlich keine langfristig erfolgreiche Strategie.

Über das CSCP

Das Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) ist ein internationaler, gemeinnütziger Think and Do Tank mit Sitz in Wuppertal, der mit politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen, Partnerorganisationen und der Zivilgesellschaft an einem guten Leben für alle auf unserem Planeten arbeitet. Mit über 40 laufenden Projekten sowohl auf lokaler, als auch auf internationaler Ebene gestalten CSCP die Transformation zu zukunftsfesten Lebensstilen, neuen Geschäftsmodellen und nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen.

Ansprechpartnerin für Medien: Alexandra Kessler, alexandra.kessler@scp-centre.org, +49 (0) 202 459 58 – 10

Über das Global Footprint Network

Global Footprint Network ist eine internationale Nachhaltigkeitsorganisation, die der Welt hilft, im Rahmen der Möglichkeiten der Erde zu leben und auf den Klimawandel zu reagieren. Seit dem Jahr 2003 hat die Organisation mit mehr als 50 Ländern, 30 Städten und 70 globalen Partnern zusammengearbeitet, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern, die zu nachhaltigen politischen und Investitionsentscheidungen geführt haben. Gemeinsam bauen wir eine Zukunft, in der wir alle innerhalb der Grenzen unseres einen Planeten gedeihen können. www.footprintnetwork.org

Ansprechpartnerin für Medien: Laetitia Mailhes, laetitia.mailhes@footprintnetwork.org, +33 650 979 012

Weitere Quellen:

Zum ökologischen Fußabdruck:

Letztjährige Pressemitteilung zum Earth Overshoot Day (auf Deutsch):

https://www.overshootday.org/newsroom/press-release-august-2020-german/

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Foto: aachen50plus.de


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